Wie groß deine Rentenlücke wirklich ist, was Rürup und Riester tatsächlich bringen – und warum für die meisten ein simpler ETF-Sparplan die bessere Wahl ist.
Das Rentenniveau – also das Verhältnis der Rente zum letzten Nettoeinkommen – sinkt seit Jahrzehnten schrittweise, während gleichzeitig immer weniger Beitragszahler auf immer mehr Rentner kommen. Wer sich ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlässt, muss im Alter in aller Regel mit einem spürbaren Einkommensrückgang rechnen – oft 30 bis 50 % gegenüber dem letzten Nettogehalt.
Das Problem ist nicht die gesetzliche Rente an sich, sondern die Erwartung, sie könne den gewohnten Lebensstandard allein sichern. Genau deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick auf die eigene Situation: Wie groß ist die Lücke wirklich – und mit welchen Mitteln lässt sie sich am sinnvollsten schließen? Das ist keine Frage von Angst, sondern von rechtzeitiger Planung.
Rürup- und Riester-Rente werden oft als "die" staatlich geförderte Altersvorsorge beworben. In der Praxis überwiegen für die meisten Sparer jedoch die Nachteile – und diese werden beim Verkaufsgespräch selten in aller Deutlichkeit genannt. Wir wollen das hier nachholen.
Eine Kapitalauszahlung ist bei Rürup grundsätzlich ausgeschlossen, bei Riester nur eingeschränkt möglich. Das Geld ist bis zum Rentenbeginn faktisch nicht verfügbar – auch nicht in Notlagen.
Abschluss- und Verwaltungskosten schmälern die Rendite über Jahrzehnte spürbar. Garantieverzinsungen liegen inzwischen oft unter der Inflationsrate.
Stirbt die versicherte Person vor oder kurz nach Rentenbeginn, verfällt bei Rürup ohne Zusatzoptionen ein erheblicher Teil des eingezahlten Kapitals an die Versichertengemeinschaft.
Für die große Mehrheit ist ein regelmäßiger, breit gestreuter ETF-Sparplan die deutlich sinnvollere Wahl: keine Kapitalbindung bis zum Rentenbeginn, jederzeit verfügbar, deutlich geringere Kosten und historisch höhere erwartete Rendite. Rürup kann in Einzelfällen für Selbstständige mit sehr hoher Steuerlast kurz vor dem Ruhestand Sinn ergeben – Riester lohnt sich für die meisten Sparer nach unserer Einschätzung inzwischen kaum noch.
Rürup im Detail ansehen →Es gibt nicht die eine richtige Lösung – aber es gibt für die meisten Situationen eine deutlich bessere und eine deutlich schlechtere.
| Vorsorgeform | Flexibilität | Kosten | Für wen sinnvoll |
|---|---|---|---|
| Gesetzliche Rente | Keine Wahl, Pflicht | Gering | Alle Angestellten – Basis, keine Alternative |
| ETF-Sparplan | Sehr hoch | Sehr gering | Für die meisten Menschen die sinnvollste Ergänzung |
| Betriebliche Altersvorsorge | Mittel | Unterschiedlich | Bei gutem Arbeitgeberzuschuss oft sinnvoll |
| Rürup-Rente | Sehr gering | Hoch | Nur Selbstständige mit hoher Steuerlast, kurz vor Renteneintritt |
| Riester-Rente | Gering | Hoch | Kaum noch empfehlenswert, wenige Ausnahmefälle |
Eine staatliche Förderung oder ein Steuervorteil klingt zunächst überzeugend, gleicht aber selten die Kosten aus, die durch fehlende Flexibilität und hohe Verwaltungsgebühren über Jahrzehnte entstehen. Wer selbst entscheiden kann, wann und wie er auf sein Vorsorgekapital zugreift, ist am Ende in den allermeisten Fällen besser gestellt.
8 Ratgeber zu allen wichtigen Themen der Altersvorsorge – von der gesetzlichen Rente bis zur Vorsorge für Selbstständige.