Der Sparplan rückwärts gedacht: Wie du aufgebautes ETF-Vermögen in ein laufendes Einkommen verwandelst.
Ein Entnahmeplan ist die Umkehrung des Sparplans: Statt regelmäßig einzuzahlen, verkaufst du in festgelegten Abständen einen Teil deiner ETF-Anteile, um dir daraus ein laufendes Einkommen zu erzielen – etwa im Ruhestand, wenn kein aktives Erwerbseinkommen mehr da ist.
Die zentrale Frage dabei: Wie viel kannst du jährlich entnehmen, ohne dass das Depot vorzeitig aufgebraucht ist? Häufig wird eine Entnahmerate von 3 bis 4 % des Depotwerts pro Jahr als langfristig tragfähig diskutiert – basierend auf historischen Simulationen über lange Zeiträume. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht, da zukünftige Marktentwicklungen naturgemäß unsicher sind.
Ein oft unterschätztes Risiko beim Entnehmen: Starke Kursverluste kurz nach Beginn der Entnahmephase sind besonders schädlich – deutlich schädlicher, als wenn dieselben Verluste erst später aufträten. Der Grund: Du entnimmst bereits Kapital, während das Depot gleichzeitig an Wert verliert, sodass sich die verkauften Anteile später nicht mehr erholen können. Dieses Phänomen wird als Sequence-of-Returns-Risiko bezeichnet und ist einer der Hauptgründe, warum viele Entnahmestrategien eine gewisse Flexibilität einbauen, statt eine starre Entnahmerate zu verfolgen.
Statt jährlich exakt denselben Prozentsatz zu entnehmen, passen viele Strategien die Entnahme an die tatsächliche Marktentwicklung an – etwa weniger in schwachen Marktjahren, mehr in starken. Das reduziert das Risiko, das Depot in einer ungünstigen Marktphase zu schnell aufzubrauchen, erfordert aber auch mehr Flexibilität beim eigenen Ausgabenverhalten.
Jeder Verkauf von ETF-Anteilen mit Gewinn unterliegt der Abgeltungssteuer. Der jährliche Sparerpauschbetrag lässt sich dabei erneut nutzen, um einen Teil der Entnahme steuerfrei zu realisieren – eine geschickte zeitliche Planung der Verkäufe über das Jahr hinweg kann daher helfen, den Freibetrag optimal auszuschöpfen.
| Strategie | Funktionsweise | Vorteil |
|---|---|---|
| Statische Entnahme | Fester Prozentsatz oder Betrag pro Jahr | Einfach planbar, aber weniger flexibel bei Kurseinbrüchen |
| Dynamische Entnahme | Entnahme passt sich an Depotwert an | Schont das Depot in schwachen Marktphasen |
| Cash-Puffer-Strategie | 1–2 Jahre Ausgaben separat als Tagesgeld vorhalten | Verkäufe in Crash-Phasen vermeidbar |
Die Cash-Puffer-Strategie lässt sich gut mit einem Tagesgeldkonto umsetzen – der Puffer federt Marktschwankungen ab, ohne dass in schwachen Phasen ETF-Anteile mit Verlust verkauft werden müssen.
| Depotwert | Jährliche Entnahme (4 %) | Monatlich verfügbar |
|---|---|---|
| 300.000 € | 12.000 € | 1.000 € |
| 500.000 € | 20.000 € | 1.667 € |
| 800.000 € | 32.000 € | 2.667 € |
Modellrechnung ohne Berücksichtigung von Wertentwicklung, Steuern oder Inflation während der Entnahmephase.