Auch ETFs sind nicht risikofrei – welche Risiken es gibt und wie du sie durch die richtige Auswahl minimierst.
ETFs gelten oft als sichere, einfache Anlageform – das stimmt aber nur mit Einschränkungen. Ein ETF trägt grundsätzlich dasselbe Marktrisiko wie die zugrundeliegenden Wertpapiere: Fällt der Index, fällt auch der ETF entsprechend mit, ohne eingebauten Schutzmechanismus.
Der entscheidende Sicherheitsfaktor ist daher weniger das Produkt ETF an sich, sondern die Streuung des jeweiligen Index. Ein breit gestreuter Welt-ETF mit mehreren tausend Unternehmen verhält sich grundlegend anders als ein eng gefasster Themen- oder Einzelländer-ETF.
Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn ein ETF stark auf einzelne Länder, Branchen oder sogar einzelne Unternehmen konzentriert ist – etwa bei reinen Themen-ETFs (z. B. „Wasserstoff" oder „Künstliche Intelligenz") oder Einzelländer-ETFs. Auch scheinbar breit gestreute Indizes wie der S&P 500 können ein gewisses Klumpenrisiko tragen, wenn wenige große Technologiekonzerne einen überproportional hohen Indexanteil ausmachen. Wer echte Streuung sucht, sollte auf die tatsächliche Gewichtung im Factsheet des ETFs schauen, statt sich allein auf den Namen zu verlassen.
Ein einzelner breiter Welt-ETF wie der FTSE All-World reduziert das Klumpenrisiko automatisch, da er mehrere tausend Unternehmen aus zahlreichen Branchen und Ländern enthält. Themen-ETFs mögen kurzfristig attraktiv wirken, tragen aber strukturell ein deutlich höheres Konzentrationsrisiko – mehr dazu auch im Ratgeber ETF-Arten & Strategien.
Physisch replizierende ETFs kaufen die tatsächlichen Aktien des Index – hier ist unmittelbar nachvollziehbar, was im Fonds steckt. Synthetische ETFs bilden die Wertentwicklung stattdessen über ein Tauschgeschäft (Swap) mit einer Bank nach und tragen dadurch ein zusätzliches Gegenparteirisiko – das Risiko, dass die Swap-Gegenpartei ihren Verpflichtungen nicht nachkommt. Dieses Risiko ist gesetzlich stark begrenzt (meist auf maximal 10 % des Fondsvermögens), sodass es in der Praxis eine untergeordnete Rolle spielt, aber bei der Auswahl trotzdem erwähnenswert bleibt.
Bei ETFs mit hohem US-Anteil beeinflusst der Euro-Dollar-Wechselkurs deine Rendite zusätzlich zur reinen Kursentwicklung der Aktien.
Bei ETFs mit sehr geringem Handelsvolumen kann die Geld-Brief-Spanne größer ausfallen – ein Grund, auf ausreichendes Fondsvolumen zu achten.
Ein ETF bildet seinen Index nie zu 100 % exakt ab – die Abweichung (Tracking-Differenz) sollte möglichst klein und nahe an der TER liegen.
Die wirksamste Maßnahme bleibt eine breite Streuung über einen Welt-ETF statt einzelner Länder- oder Themen-Wetten. Zusätzlich hilft ein längerer Anlagehorizont: Historisch betrachtet gleichen sich Kursschwankungen breiter Indizes über 15 Jahre und mehr fast immer wieder aus. Wer sein Portfolio auf mehrere Bausteine verteilt, sollte zudem die Gewichtung im Blick behalten – mehr dazu im Ratgeber Rebalancing.